Resonanz Felder

Installation zur Eröffnung des Schlüterhofs im HumboldtForum. #Phonogrammarchiv des ethnologischen Museums Berlin

Erfahrung:

Zur Langen Nacht der Museen treffen die Besucherinnen und Besucher im Schlüterhof auf einen Klangraum, der subtil, aber in dichter Atmosphäre langsame Bewegungen vollzieht. Die Flächen zwischen denen sich die Bewegungen vollziehen sind aus den Aufnahmen des Phonogramm Archivs gewonnen. Während deren Haptik und Klangfarbe erhalten bleiben, sind deren Verlauf, Tempo, und Rhythmik weitgehend in der Klangsphäre des Hofes aufgelöst. Dabei ragen aus der so entstehenden diffusen Wolke der Klänge immer wieder vereinzelte konkrete Aktionen. Silben, Harmonie- und Melodiefragmente verdichten sich, tauchen auf und wieder ab. Das Geschehen bewegt sich amorph, zunächst um den eigenen Klangraum, und öffnet sich nach und nach zu anderen Feldern. Die Besucherinnen und Besucher sind während des ganzen Abends eingeladen an den insgesamt sechs Klangorten zu verweilen, den sich langsam über die Zeit vollziehenden Veränderungen zu lauschen und die entstehenden Klangcollagen zu entdecken.

Konzept:

Die Aufnahmen, die sonst in ihrem Narrativ von A nach B abgeschlossen abgespielt und über den Lautsprecher auf eine Punktquelle reduziert werden, sollen hier räumlich und zeitlich aufgefächert werden. Auf diese Weise von der Statik der Aufzeichnung befreit, stehen die jeweiligen Momente sowohl für sich, lassen sich aber auch vermischen. Damit wird ein Hören herausgefordert, dass zugleich die Materialität, als auch die Selbstähnlichkeit des auf ewig abgeschlossenen aufgenommenen Moments hervorhebt. Die kleinen Differenzen zwischen den Momenten sind in der Wiederholung und der Überlagerung der Klangwolke ein konsistentes um sich selbst kreisendes Bild. Dieser Selbstbezug im Wiederhallen des abgeschlossenen Klangraumes versteht sich als Moment der Resonanz. Eine Resonanz kann nur entstehen, wenn es Wände gibt, die den Klang zurückwerfen. Damit steht zu Beginn jeder Resonanz ein Zurückwerfen oder Begrenzen. Das in Resonanz bringen und die damit verbundene Begrenzung durch Auswahl und Dekontextualisierung in der Installation hat seine Entsprechung im Wesen des Klangarchivs selbst. Auch das Archiv erlaubt das immer wieder Klingen lassen der archivierten Momente auf Kosten der zeitlichen örtlichen Begrenzung der Aufnahme und der Dekontextualisierung aus dessen kulturellen Umfeld. Dekontextualisierung kann gewaltvoll sein, und so ist die Klanginstallation „Resonanz Felder“ auch als Kritik zu verstehen, ein kritisches Moment, das nicht im Für und Wieder argumentiert, sondern die Positionen eines Zusammenhangs aufzeigt und sichtbar macht.

Durchführung:

Die für das Setup zur Verfügung gestellten Aufnahmen kommen ausschließlich aus der Sammlung „Music! The Berlin Phonogramm-Archiv 1900-2011 – 111 Recordings“ und gelten als gut aufgearbeitet.
Von technischer Seite wird die räumliche Wirkung der diffusen Klangfelder durch die Positionierung der Lautsprecher sowie durch akustische Diffusorkonstruktionen je im Mittelpunkt der 6 Klangorte erreicht. Die Anordnung zielt darauf, dass möglichst große Flächen günstiger Überlagerungen zwischen den Klangorten entstehen. Im Mittelpunkt dieser bevorzugten Hörpositionen soll die Bestuhlung zum Verweilen einladen.

Unterstützt wird Dernbach von der Künstlerin Maya Shenfeld und dem Künstler Daisuke Ishida, die er für diesen Abend eingeladen hat, ihre jeweils eigenen Zugänge zu dem ausgewählten Archivmaterial und dem installierten Setup zu erkunden.

Mehr Informationen zum Schlüterhof:
https://humboldtforum.com/de/veranstaltungen/lange-nacht-der-museen-im-humboldt-forum

 

Technische Skizze Diffusorkonstruktion Seitenansicht
Technische Skizze Diffusorkonstruktion Seitenansicht

 

Zu den Künstlern:

Maya Shenfeld (1989*, Jerusalem) is a Berlin-based composer, sound artist, and guitarist. Her works span from electroacoustic compositions, sound installations and ensemble pieces to performing as a classical, experimental and rock guitarist. In her practice, Shenfeld explores the intersection between modes of musical production used in experimental and popular music. Her interests lie in the embodiment of the listening experience, researching temporality, deep listening, just intonation, and microtonality.
Shenfeld’s works have been presented internationally, most recently in the Centrala Art Gallery (Birmingham, UK), Kunst Werke, Haus der Kulturen der Welt, Ableton Loop Festival, Klangwerkstatt Festival for Neue Musik (Berlin), and the North-Western University, Chicago.
As a guitarist, Shenfeld performed in numerous renowned concert halls, among them the Tel-Aviv Museum of the Arts, the Konzerthaus, Neuköllner Oper, and Akademie der Künste, Berlin.
Shenfeld is a graduate of the Jerusalem Academy of Music and Dance and the University of the Arts (UdK) Berlin, where she completed an MA in classical guitar and contemporary music composition. She is the recipient of numerous awards and scholarships including the America-Israel Cultural Foundation scholarship, the DAAD scholarship, a special grant from the University of the Arts Berlin.

 

Daisuke Ishida (1980*, Tokyo) ist ein in Berlin tätiger Künstler, der mit Klang und zeitgenössischen Medien arbeitet. Er studierte Politik- und Wirtschaftswissenschaften, sowie Sound Studies in Japan und Deutschland. Er interessiert sich für die Konsequenzen der künstlerischen Praxis und Theorie in Klang, Raum und Wahrnehmung. Seine Arbeiten erforschen die Grenzen von ephemerischen und Zeit-basierten Medien, um neue Perspektiven auf Räumlichkeiten zu eröffnen; sein Verständnis von Raum erstreckt sich hierbei nicht nur auf den physischen, sondern auch auf den sozialen und politischen. Er strebt dabei immer danach, dem Betrachter eine Vielzahl von komplexen und individuellen Erlebnissen des Raumes zu offerieren, die diesen dazu veranlassen sein Verständnis, seine Position und Relation zu seinem physischen und konzeptuellen Umfeld zu überdenken.
Seit 2012 unterrichtet er an der Universität der Künste Berlin, im UNI.K Studio für Klangkunst und Klangforschung und dem Masterstudiengang Sound Studies and Sonic Arts. Er erhielte das Arbeitsstipendium für Neue Musik und Klangkunst 2017 vom Berliner Senat. 2002 mitbegründete er The SINE WAVE ORCHESTRA, dass im Jahr 2004 eine Honorary Mention des Prix Ars Electronica 2004 gewürdigt wurde und 2009 ein Stipendium der Stiftung Niedersachsen für Medienkunst am Edith-Ruß-Haus erhielt.
Daisuke Ishida präsentierte seine künstlerischen Arbeiten bereits bei mehreren internationalen Institutionen und Museen, unter anderem in der Akademie der Künste (DE), Ars Electronica (AT), Arsenals of the Latvian National Museum of Art (LT), deaf – Dutch Electronic Art Festival (NL), Edith-Russ-Haus für Medienkunst (DE), ICC – InterCommunication Center (JP), International Triennale of Contemporary Art Yokohama (JP), ISEA – Inter-Society for the Electronic Arts (USA), MACO – Contemporary Art Museum of Oaxaca (MX), MART – Museum of Art, Rovereto and Trento (IT), MOT – Museum of Contemporary Art Tokyo (JP), Singuhr Hoergalerie (DE), Steim (NL), Transmediale (DE) und YCAM – Yamaguchi Center for Arts and Media (JP).

 

 

Aufbau und Installation Resonanz Felder
Aufbau und Installation Resonanz Felder